Mich beschäftigt die Frage, warum manche Menschen keine Empathie empfinden können? Bei den Tieren ist das anders. Die meisten Tiere sind empatisch sowohl anderen Tieren als auch Menschen gegenüber. In Wikipedia schreibt man nur davon, dass Personen empathisch sein können. Da fehlt eindeutig die Angabe, dass Tiere auch empathisch, sogar sehr und mehr als Menschen sein können. Doch damit beschäftige ich mich in diesem Artikel nicht, sondern mit der Fähigkeit Empathie zu empfinden, wenn man mit Tieren/Hunden arbeiten möchte.

Was bedeutet eigentlich Empathie?

Grundlage für empathisches Verhalten ist die Selbstwahrnehmung, die Offenheit der eigenen Emotionen, um sich besser in andere Tiere hineinzuversetzen und nicht nur in andere Personen.

Ich habe eine Reise in meine Kindheit angetreten, in der alle möglichen Arten von Tieren eine Rolle gespielt haben, von Kindesbeinen an. Hunde spielen dabei natürlich die größte Rolle.

Einige Erinnerungen aus meiner Kindheit über die Begegnungen mit Wildtieren

Es gibt zig Erinnerungen. Von einigen kann ich hier berichten:
Eines Tages – ich war vielleicht elf Jahre alt – sah ich auf unserem Marktplatz im Dorf einen wunderschönen Elefanten. Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich einen Elefanten – live. Normalerweise kannte ich solche Wildtiere nur aus der Fernsehserie „Im Reich der wilden Tiere“oder von „Daktari“.  Um den Elefanten hatte sich eine Traube gebildet. Sie ritten zu dritt, zu viert oder zu fünft abwechselnd auf diesem wundervollen Tier. Ich sah diese Abgestumpftheit in den Augen des Elefanten. Er war so elegant, so gigantisch und trotzdem verletzbar. Ich konnte es nicht glauben und dachte einfach nur bei mir, der Elefant gehört überall anders hin, nur nicht auf einen Markplatz im Dorf, um als Reittier missbraucht zu werden. Ich schwor mir, niemals auf einem Elefanten zu reiten.

Ich erinnere mich an einen meiner ganz wenigen Zirkusbesuche als Kind, als eine riesengroße megalange Pythonschlange den Zuschauern vorgeführt wurde und obwohl ich kein Fan von Schlangen bin, fühlte ich, dass ein Zirkus nicht der richtige Lebensraum für eine Schlange war.

Der Besuch im Duisburger Zoo im Delfinarium als Schulausflug gab mir den Rest. Entsetzt darüber, dass Delfine in einem Schwimmbecken gehalten werden und von den Zuschauern mit irgendwelchem Müll gefüttert wurden, machte mich schon traurig. Ich war hilflos und konnte nur zusehen, wie gelangweilt die Tiere in diesem Becken rumschwammen und alles andere als artgerecht gehalten wurden.

Ebenso empfand ich große Empathie für den Schäferhund Feit, es war der Schäferhund der Eltern meiner Klavierlehrerin. Feit tristete sein Dasein im Keller. Am meisten freute ich mich als Dreizehnjährige darauf, nach der Klavierstunde mit Feit und seinem Herrchen spazieren zu gehen. Das gab mir das Gefühl, Feit etwas Gutes zu tun, da er dann aus dem Keller heraus kam.

Lorbas, der rabenschwarze Spitz wurde von mir auch immer begleitet, wenn Herrchen mit ihm spazieren ging. Sein Herrchen war sehr streng mit ihm. Das gefiel mir überhaupt nicht, so dass ich in Gesprächen immer wieder versucht habe, herauszufinden, warum er denn so streng zu Lorbas sei. Doch der Halter erzählte, dass Spitze generell eine härtere Hand bräuchten. Dabei war Lorbas einfach nur lieb. Aber solche Ammenmärchen über die Eigenarten mancher Rassen begleiten uns ja leider noch bis heute.

Zu guter letzt fällt mir noch der Rotti im Zwinger ein, der bei meiner Oma um die Ecke wohnte. Auch zu diesem Hund 🐶 ging ich, wann immer ich dort war, in den Zwinger und streichelte ihn, da ich hier schon als Kind das Gefühl hatte, dem Hund geht’s nicht gut in diesem Zwinger.

Eine schöne Anekdote, die mir dazu einfällt, ist das Wiederfinden einer Kindheitsfreundin auf Facebook, die mich nach meinem Beruf fragte. Als ich ihr schrieb, dass ich Hundepsychologin sei, erwiderte sie: „Das hast du ja als Kind auch schon immer gemacht.“ Das freute mich sehr und ich war gleichzeitig verwundert, wie sie mich damals schon gesehen hatte.

So zieht sich das durch mein Leben hindurch und wird auch immer so bleiben, dass ich für Tiere aber auch für Menschen sehr viel Empathie empfinde. Diese und noch andere Erinnerungen und Begegnungen haben mich sehr geprägt und sensibilisiert für das Zusammenleben mit Tieren. Wir hatten bis zu meinem 13. Lebensjahr keine Tiere zu Hause. Erst dann bekam ich mit viel Betteln und Bitten einen eigenen Hund. Es war Bonny, der Sohn meines Gassihundes. Vorher habe ich jeden Hund aus der Nachbarschaft gekannt und ausgeführt.

Aber warum schreibe ich das hier?

Ein Mensch, der mit Tieren/Hunden arbeiten möchte, sollte Empathie mitbringen, ansonsten wird er niemals die Problematik des Mensch-Hund-Gespannes erkennen und (auf)lösen können. Jeder, der Empathie besitzt, wird wissen, dass er diese Vorraussetzung erfüllt. Alles andere ist vertane Liebesmüh und wird sich kontraproduktiv auf das Zusammenleben mit dem Hund auswirken, d. h. man wird niemals zufrieden mit seiner Arbeit sein können, wenn man sich nicht in den Hund und dessen Halter hinein versetzen kann.