Fragen Sie sich auch oft, was und ob Ihr Hund gerade denkt oder fühlt? Ich frage mich das ständig und schon sehr lange und nicht erst seit gestern. Mit einem  besonderen Teil der Verhaltensbiologie, und zwar der Kognitionsbiologie beschäftige ich mich immer mehr und habe mich entschlossen, diesen Artikel zu schreiben. Um mit einem Hund ein harmonisches Leben führen zu können, ist es für den Halter unumgänglich, sich in den Hund hineinzuversetzen oder es zu lernen.
Die Verhaltensbiologie hat erkannt, dass viele Eigenschaften, Fähigkeiten und Gesetzmäßigkeiten genauso auf Tiere umgesetzt werden können, die vorher nur Menschen zugesprochen wurden. Hunde können nicht nur lernen sondern auch vorausschauend denken und fühlen Empathie für andere Artgenossen. Auch das ist nicht neu.

Hunde empfinden Emotionen. Sie können positiv oder negativ sein und werden unterschiedlich stark ausgedrückt. Basale Emotionen wie Furcht, Angst oder Freude bei Mensch und Tier werden von den gleichen neutralen Schaltkreisen erzeugt und gesteuert, so die Wissenschaft. 

In diesem Artikel beschäftige ich damit was Emotionen und Gefühle unterscheidet und wo sie entstehen. Ebenso Emotionen und Gefühle zu erkennen und in den Griff zu bekommen.
Emotionen können ein bestimmtes Gefühl und ein eventuell daraus resultierendes Verhalten hervorrufen.

Emotion——->Gefühl——>Verhalten

Wie unterscheiden sich Emotionen und Gefühle?

Emotionen entstehen im primitivsten Teil des Gehirn, dem Limbischen System. Emotionen sind angeboren und als Frucht der Evolution genetisch vorbestimmt.
Gefühle entspringen dem Frontallappen und sind das Ergebnis des Denkens.

„Gefühle sind das Ergebnis des Denkens“

Es gibt eine begrenzte Anzahl von Emotionen, aber eine unzählige Anzahl von Gefühlen. Gefühle entstehen durch eine Summe von Ereignissen und Emotionen haben ihren Ursprung auf die unmittelbare Reaktion des Nervensystems auf eingehende Empfindungen.

Das Gefühl ist das, was von der Emotion übrig bleibt. Gefühle können sich ändern und über längere Zeit bleiben und sind weich.

                 „Das Gefühl ist das, was von der Emotion übrig bleibt“

Emotionen sind stark, wir werden damit geboren. Einige grundlegenden Emotionen beim Menschen sind: Freude, Wut, Angst, Ekel, Traurigkeit, Eifersucht und Überraschung; sie sind sehr intensiv und bewegen uns dazu, Handlungen zu beginnen oder zu beenden. Beim Hund geht man von vorhandenen Emotionen wie Furcht, Angst oder Freude aus.

Beispiele für Emotionen, Gefühle und Verhaltensweisen beim Hund

Wir betrachten nun einzelne Emotionen. Bei Furcht und Angst spielen sich dieselben Nervenschaltkreise ab. Über die anderen Emotionen und ihre Entstehung im Gehirn ist wenig bekannt.

Beispiel: Emotion Freude

Empfindet der Hund häufig als Emotion Freude, dann stellt sich ein Glücksgefühl (Gefühl) für ihn ein. Wenn wir das nun auf seine Verhaltensweise übertragen, ist er wesentlich motivierter mit seinem Halter zu kooperieren und zu trainieren.

Freude———->Glücksgefühl———>kooperative Verhaltensweise im Training
Emotion                Gefühl                                   Verhalten           

Beispiel: Emotion Eifersucht (Angst vor Verlust)

Forscher haben einen Test zur Eifersucht mit mehreren Hunden gemacht, und zwar sollten die Besitzer ihren Hund ignorieren und ausgiebig mit einer Hundeattrappe spielen, die wedeln und bellen konnte. Die Hunde zeigten ein Aufmerksamkeitsverhalten, drängten sich dazwischen, fingen an zu wimmern und waren aggressiv gegen die Hundeattrappe.

Eifersucht——–>Aufmersamkeit————–>Wimmern, Aggressivität
Emotion                    Gefühl                                   Verhalten

Beispiel: Emotion Angst

Der Hund empfindet als Emotion Angst, nun gibt es hier verschiedenste Gefühlsreaktionen auf die Angst, wie z. B. Hund regt sich auf (Gefühl) und wird aggressiv.  Angstaggressive Hunde neigen zu defensivem Verhalten und gehen erst in die Offensive, wenn ihr defensives Verteidigungsverhalten keine Wirkung gezeigt hat. Wutaggressive Hunde können sofort angreifen, ohne vorher zu warnen. Aggressives Verhalten ist ein sehr komplexes und umfangreiches Thema. Die zwei erwähnten Aggressionsverhalten (angstaggressiv und wutaggressiv) sind nur wenige von vielen.

Angst———–>Hund regt sich auf—————->Aggressives Verhalten
Emotion                  Gefühl                                      Verhalten

Diese Beispiele können natürlich auch andere Gefühle und Verhalten hervorrufen und dienen zur Darstellung.

Auslöser für Emotionen

Nun ist es wichtig herauszufinden, welches der Auslöser für das Gefühl und das jeweilige Verhalten ist, um die negativen Emotionen, Gefühle und das Verhalten einzudämmen und positiv zu beeinflussen.
Wie kann man das in die Praxis und im Zusammenleben mit seinem Hund umsetzen?

Verbesserung der Empathiefähigkeit des Hundehalters

Will ein Halter eine sozio-positive Beziehung zu einem Hund aufbauen, muss er sich sensibel einfühlen in das fremde Mitgeschöpf Hund.

Beispiel aus der Praxis: Treten bei einem Hund Verhaltensänderungen wie Ängstlichkeit auf, sollte sich der Halter fragen, worauf dieses Verhalten zurückzuführen ist. Hat der Hund vielleicht Schmerzen? Um das abzuklären, sollte ein Tierarztbesuch stattfinden, um physische Schmerzen auszuschließen.
Eine Verhaltensänderung in einem situativ gezeigten Ausdrucksverhalten sollte der Hundebesitzer erkennen.

Praxis:
Für den Halter stellen sich nun folgende Fragen:
Wie sieht das Verhalten konkret aus?
Wann tritt es auf?
Kann ICH es beeinflussen? Wenn ja, wie?

Ziel:
In diesem Prozess muss sich der Halter zwangsläufig mit dem Befinden des Hundes auseinandersetzen und lernt diesen zu beobachten und einzuschätzen!

Unterscheiden Sie

Lernen Sie Emotionen und Gefühle zu unterscheiden,  am Beispiel der Emotion Freude: Wann ist mein Hund am Glücklichsten und Motiviertesten? Wann kann ich ihm gut Tricks beibringen oder mit ihm spielen oder trainieren?
Führen Sie ein Tagebuch, um Werte zu bekommen, wann es Ihrem Hund gut geht oder wann er ängstlich ist und sich aufregt.
Mit der Zeit bekommen Sie ein Gefühl dafür,  lernen Ihren Hund richtig einzuschätzen, zu beobachten und zu reagieren.

Quellangaben:
Sachser, Norbert (2018), Der Mensch im Tier (3. Auflage Juli 2018), Reinbek bei Hamburg, Rowohlt Verlag GmbH